EC-Wert Cannabis messen und einstellen: Die komplette Anleitung

EC-Wert Cannabis messen Titelbild

Wer den EC-Wert Cannabis messen und korrekt einstellen kann, hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber Growerinnen und Growern, die blind düngen. Der EC-Wert Cannabis zeigt dir auf einen Blick, wie konzentriert deine Nährlösung wirklich ist – zu hoch bedeutet Salzstress und Nährstoffblockaden, zu niedrig bedeutet Hunger und schwaches Wachstum. Besonders im Hydroponik- und Kokos-Anbau ist ein kalibriertes EC-Messgerät unverzichtbar. In dieser Anleitung erfährst du alles über optimale Werte je Wachstumsphase, typische Fehler und die direkte Verbindung zum pH-Wert.

Was bedeutet EC-Wert Cannabis?

Laut der Landwirtschaftskammer NRW ist die elektrische Leitfähigkeit einer Nährlösung einer der zuverlässigsten Indikatoren für eine gesunde Düngung. EC steht für ‚Electrical Conductivity‘, also elektrische Leitfähigkeit. Reines Wasser leitet keinen Strom – erst gelöste Mineralsalze und Nährstoffe erhöhen die Leitfähigkeit einer Flüssigkeit. Je mehr Nährsalze in deiner Lösung gelöst sind, desto höher ist der gemessene EC-Wert Cannabis. Die Einheit ist Millisiemens pro Zentimeter (mS/cm), manchmal auch als µS/cm angegeben.

Der EC-Wert Cannabis sagt dir also, WIE VIEL an gelösten Stoffen in der Nährlösung steckt – er sagt dir aber nicht, WELCHE Nährstoffe das genau sind. Deshalb ist der EC-Wert Cannabis immer in Kombination mit einem soliden Düngeplan und regelmäßigen pH-Kontrollen zu betrachten. Ein EC-Wert Cannabis von 2.0 mS/cm kann eine perfekt ausgewogene Nährlösung bedeuten – oder eine Lösung mit viel Natrium und wenig Kalium. Das Messgerät allein macht dich noch nicht zum Experten, aber es gibt dir die Grundlage für fundierte Entscheidungen.

In der Praxis wird der EC-Wert Cannabis vor allem im Hydroponik-, Aeroponik- und Kokos-Anbau gemessen. Im klassischen Erdenanbau mit vorgedüngter Qualitätserde ist die Messung weniger verbreitet, kann aber trotzdem sinnvoll sein – zum Beispiel beim Messen des Abwassers, um den Salzgehalt im Substrat zu überwachen. Gerade Anfängerinnen und Anfänger profitieren enorm davon, frühzeitig mit dem EC-Messen zu beginnen, weil sie so lernen, wie Pflanzen auf unterschiedliche Konzentrationsstufen reagieren.

  • EC = elektrische Leitfähigkeit der Nährlösung in mS/cm
  • Reines Wasser hat EC 0.0 – jeder gelöste Nährstoff erhöht den Wert
  • Hoher EC kann zu Salzstress und Nährstoffblockaden führen
  • Zu niedriger EC bedeutet Nährstoffmangel und verlangsamtes Wachstum
  • EC misst MENGE, nicht ART der Nährstoffe

EC-Wert Cannabis messen: Das richtige Messgerät und die korrekte Methode

EC-Wert Cannabis Messgeraet in Naehrloesung tauchen
Ein EC-Messgerät wird direkt in die Nährlösung getaucht, um die Salzkonzentration zu prüfen.

Für das zuverlässige EC-Wert Cannabis-Messen bei Cannabis benötigst du ein digitales EC-Messgerät (auch EC-Meter oder TDS-Meter genannt). Günstige Geräte sind bereits ab etwa 15 bis 20 Euro erhältlich, professionelle Kombi-Geräte, die gleichzeitig EC, pH und Temperatur messen, kosten zwischen 40 und 150 Euro. Achte darauf, dass dein Gerät regelmäßig kalibriert wird – die meisten Hersteller empfehlen eine Kalibrierung alle zwei bis vier Wochen mit einer Kalibrierungslösung bekannter Leitfähigkeit.

Die Messung selbst ist denkbar einfach: Tauche die Elektroden des Messgeräts mindestens 2 bis 3 cm tief in die Nährlösung oder das Giesswasser, warte etwa 10 bis 20 Sekunden bis der Wert sich stabilisiert hat, und notiere das Ergebnis. Wichtig: Die Temperatur der Lösung beeinflusst den EC-Wert Cannabis erheblich. Die meisten Messgeräte haben eine automatische Temperaturkompensation (ATC), die den Wert auf 25 Grad Celsius normiert. Falls dein Gerät keine ATC hat, miss bei Raumtemperatur oder rechne den Wert manuell um.

TDS-Meter zeigen den Wert in PPM (parts per million) an statt in mS/cm. Der Umrechnungsfaktor hängt vom Gerät ab – gängige Faktoren sind 0.5 (Hanna-Faktor) oder 0.7 (europäischer Standard). Ein EC-Wert Cannabis von 1.0 mS/cm entspricht also je nach Faktor 500 PPM oder 700 PPM. Im europäischen Raum hat sich mS/cm als Standard durchgesetzt, weshalb wir in diesem Artikel damit arbeiten. Wenn du ein TDS-Meter verwendest, prüfe den Umrechnungsfaktor in der Bedienungsanleitung deines Geräts.

  • Digitales EC-Meter kaufen: Günstige Einstiegsgeräte ab 15 Euro, Kombi-Geräte empfohlen
  • Kalibrierung alle 2-4 Wochen mit Kalibrierungslösung durchführen
  • Elektroden mindestens 2-3 cm eintauchen, 10-20 Sekunden warten
  • Auf automatische Temperaturkompensation (ATC) achten
  • TDS/PPM in mS/cm umrechnen: Faktor 0.5 (Hanna) oder 0.7 (Europa)

Optimale EC-Wert Cannabise je Wachstumsphase: Die Cannabis EC-Tabelle

EC-Wert Cannabis Tabelle Wachstumsphasen Keimling bis Flush
Der optimale EC-Wert steigt von der Keimlingsphase bis zur Blüte an und wird in der Flush-Phase vor der Ernte wieder auf fast null gesenkt.

Cannabis hat in jeder Entwicklungsphase einen anderen Nährstoffbedarf – und damit auch andere optimale EC-Bereiche. Jungpflanzen und Keimlinge sind besonders empfindlich und vertragen nur sehr niedrige Konzentrationen. Mit zunehmendem Alter und Größe können die Pflanzen immer höhere EC-Wert Cannabise verarbeiten. Die folgende Übersicht gilt als Richtwert für den Hydroponik- und Kokosanbau; im Erdenanbau liegen die Werte generell etwas niedriger, da das Substrat bereits Nährstoffe enthält.

In der Keimlings- und frühen Sämlings-Phase (erste 1-2 Wochen) empfiehlt sich ein EC von 0.4 bis 0.8 mS/cm. Das Wurzelsystem ist noch sehr fragil und kann mit konzentrierten Nährstofflösungen leicht geschädigt werden – eine häufige Ursache, wenn ein Keimling umfällt. In der Vegetationsphase steigt der optimale EC-Bereich auf 1.2 bis 2.0 mS/cm. Während der Blütephase, wenn die Pflanzen besonders viel Phosphor und Kalium benötigen, sind Werte zwischen 1.6 und 2.4 mS/cm ideal. In den letzten zwei Wochen vor der Ernte – der sogenannten Flushphase – wird der EC auf 0.0 bis 0.5 mS/cm gesenkt (nur klares, pH-angepasstes Wasser), um verbleibende Salzrückstände aus dem Substrat zu spülen.

Diese Werte sind Richtwerte, keine absoluten Grenzwerte. Manche Sorten, insbesondere robuste Indica-Hybriden, tolerieren höhere EC-Wert Cannabise problemlos. Empfindliche Sativa-dominante Genetiken reagieren hingegen schon bei EC 2.0 mit leichten Stresssymptomen. Beobachte deine Pflanzen genau und passe den EC-Wert Cannabis ihrer individuellen Reaktion an. Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Abwasser (Run-off): Der EC-Wert Cannabis des abfliessenden Wassers sollte idealerweise nicht mehr als 0.3 bis 0.5 mS/cm über dem Eingabewert liegen – wenn er deutlich höher ist, deutet das auf Salzansammlungen im Substrat hin.

  • Keimlinge / Samlinge: EC 0.4 – 0.8 mS/cm
  • Vegetationsphase: EC 1.2 – 2.0 mS/cm
  • Frühe Blütephase: EC 1.6 – 2.2 mS/cm
  • Späte Blütephase: EC 1.8 – 2.4 mS/cm
  • Flushphase (letzte 1-2 Wochen): EC 0.0 – 0.5 mS/cm
  • Run-off EC: nicht mehr als 0.3-0.5 mS/cm über Eingabewert

EC-Wert Cannabis zu hoch bei Cannabis: Symptome und Lösung

Ein zu hoher EC-Wert ist einer der häufigsten Fehler, besonders bei Growerinnen und Growern, die denken ‚viel hilft viel‘. Wenn die Konzentration gelöster Salze zu gross ist, entsteht ein osmotischer Stress: Das Wasser bewegt sich aus den Wurzelzellen heraus in Richtung der salzreicheren Lösung – genau entgegen der gewünschten Richtung. Die Pflanze kann trotz genügend Wasser nichts aufnehmen, weil der osmotische Druck zu hoch ist. Man spricht dann von physiologischer Trockenheit.

Die ersten Anzeichen eines zu hohen EC-Wertes sind oft verrollte oder nach unten gerichtete Blattspitzen (das sogenannte ‚Clawing‘), gefolgt von Blattverbrennung an den Spitzen und Rändern. Die Blattspitzen werden gelb, dann braun und verbrennen schliesslich. Die Pflanzen wirken gestresst, das Wachstum verlangsamt sich. Bei chronisch hohem EC können Nährstoffblockaden entstehen, da das Salzgleichgewicht im Substrat die Aufnahme einzelner Mineralstoffe verhindert. Das Ergebnis sieht dann oft aus wie ein Kalziummangel oder andere Mangelerscheinungen, obwohl der Dünger vorhanden ist.

Die Lösung bei zu hohem EC ist das sogenannte Flushen oder Spülen: Giesse das Substrat mit der zwei- bis dreifachen Topfmenge an pH-angepasstem, nährstoffarmem Wasser durch. Messe danach den Run-off EC und wiederhole den Vorgang, bis er auf ein akzeptables Niveau gesunken ist. Danach beginnst du mit einer frisch angemischten Nährlösung auf einem niedrigeren EC-Niveau als zuvor. Prüfe ausserdem, ob dein Leitungswasser bereits einen Basis-EC hat (häufig 0.2 bis 0.5 mS/cm), und rechne diesen bei der Berechnung deiner Nährlösung mit ein.

  • Symptom: Blattspitzen rollen sich nach unten (Clawing)
  • Symptom: Gelbbraune Verbrennungen an Blattspitzen und -rändern
  • Symptom: Verlangsamtes Wachstum trotz regelmäßiger Düngung
  • Symptom: Nährstoffblockaden und scheinbare Mängel
  • Lösung: Substrat mit pH-angepasstem Wasser durchspülen (Flushen)
  • Lösung: EC-Wert der neuen Nährlösung reduzieren
  • Lösung: Basis-EC des Leitungswassers immer berücksichtigen

EC-Wert zu niedrig bei Cannabis: Symptome und Lösung

Ein zu niedriger EC-Wert bedeutet Nährstoffmangel – die Pflanze erhält schlicht nicht genug Mineralstoffe für gesundes Wachstum. Die Symptome entwickeln sich meist schleichend: zunächst ein leichter Gelbstich in den älteren, unteren Blättern (Stickstoffmangel), dann fortschreitende Vergilbung, schwache Internodien-Abstande und kleines, blasses Wachstum. In der Blütephase führt ein zu niedriger EC zu kleinen, lockeren Blüten mit geringem Harzgehalt.

Besonders im Kokos-Substrat kann ein niedriger EC zum Problem werden, weil Kokos von Natur aus kaum Nährstoffe enthält und vollständig auf externe Düngung angewiesen ist. Wer hier zu sparsam dosiert oder vergisst, regelmäßig zu messen, wird schnell mit Cannabis gelbe Blätter konfrontiert. Auch eine zu grosszügige Bewässerung ohne ausreichende Nährstoffzufuhr verdünnt die Nährlösung im Substrat und senkt den effektiven EC-Wert.

Die Lösung ist einfach: Erhöhe schrittweise die Düngerdosierung, bis der gewünschte EC-Wert erreicht ist. Erhöhe niemals um mehr als 0.2 bis 0.3 mS/cm pro Giessung, um die Pflanze nicht mit einem plötzlichen Wechsel zu stressen. Wenn du nach dem richtigen Giessen mit ausreichend Abfluss arbeitest und den Run-off-EC misst, kannst du sehr präzise steuern, welcher EC-Wert tatsächlich im Substrat ankommt.

  • Symptom: Gelbliche, blasse untere Blätter
  • Symptom: Verlangsamtes, kräftiges Wachstum bleibt aus
  • Symptom: Kleine, lockere Blüten in der Flowering-Phase
  • Symptom: Allgemeine Schwäche und Blässe der gesamten Pflanze
  • Lösung: Düngerdosierung schrittweise um max. 0.2-0.3 mS/cm erhöhen
  • Lösung: Run-off-EC nach jeder Giessung kontrollieren

EC-Wert und pH-Wert bei Cannabis: Das Zusammenspiel verstehen

EC-Wert und pH-Wert sind untrennbar miteinander verbunden. Der pH-Wert bestimmt, welche Nährstoffe aus der vorhandenen Konzentration (also dem EC) überhaupt von den Wurzeln aufgenommen werden können. Ein perfekter EC-Wert von 1.8 mS/cm nützt dir nichts, wenn der pH-Wert so falsch ist, dass wichtige Elemente wie Eisen, Mangan oder Kalzium nicht mehr löslich sind. Du kannst den Zusammenhang so verstehen: EC = Nährstoffmenge, pH = Nährstoffverfügbarkeit.

Im Hydroponik-Anbau sollte der pH-Wert der Nährlösung zwischen 5.5 und 6.2 liegen. Im Kokos-Substrat empfiehlt sich ein leicht höherer pH von 5.8 bis 6.3. In der Erde arbeitet man mit pH 6.0 bis 7.0. Eine detaillierte Übersicht der optimalen Bereiche und wie du sie korrigierst, findest du in unserem Artikel zum pH-Wert bei Cannabis. Grundregel: Miss immer zuerst den EC, dann den pH – und passe den pH erst NACH dem Anmischen der Nährlösung an, da Dünger den pH-Wert des Wassers verändern.

Ein weiterer Zusammenhang: Wenn der pH-Wert drüber oder drunter driftet und Nährstoffblockaden entstehen, siehst du oft Symptome, die wie ein Mangel aussehen – obwohl der EC-Wert stimmt. In solchen Fällen wirst du mit reiner EC-Erhöhung keine Verbesserung erzielen, sondern das Problem noch verschlimmern. Prüfe deshalb bei jedem Problemfall immer beide Werte gleichzeitig. Das ist auch ein Grund, warum Kombi-Messgeräte mit EC- und pH-Funktion so beliebt sind.

  • EC = Nährstoffmenge, pH = Nährstoffverfügbarkeit: Beide sind entscheidend
  • Hydroponik: pH 5.5-6.2 kombiniert mit korrektem EC
  • Kokos: pH 5.8-6.3 kombiniert mit korrektem EC
  • Erde: pH 6.0-7.0, EC-Messung weniger kritisch aber sinnvoll
  • Immer erst EC anmischen, dann pH anpassen
  • Bei Symptomen trotz korrektem EC immer den pH prüfen

Wenn du nicht sicher bist, wie stark du deine Nährlösung verdünnen oder aufkonzentrieren musst, hilft dir unser EC-Rechner — du gibst deinen aktuellen und Ziel-EC-Wert ein und erhältst direkt die benötigte Wassermenge.

EC-Wert im Erden-Anbau messen: Der Run-off als Diagnosewerkzeug

EC-Wert Cannabis Runoff Test am Topfboden
Das Ablaufwasser aus dem Topf aufzufangen und seinen EC-Wert zu messen, verrät viel über die tatsächliche Salzkonzentration im Substrat.

Im klassischen Erdenanbau wird der EC-Wert seltener des Giesswassers gemessen – dafür ist die Kontrolle des Run-off-Wassers (Abwasser) umso informativer. Der Run-off-EC gibt dir einen direkten Einblick in den aktuellen Salzgehalt im Substrat. Wenn der Run-off-EC deutlich höher ist als der EC deines Giesswassers, haben sich Salzrückstände im Topf angesammelt. Das passiert vor allem dann, wenn zu wenig Abfluss entsteht oder wenn die Düngerdosierung konsistent zu hoch war.

Eine Faustregel: Messe den EC deines Giesswassers vor der Giessung und den des ersten Abflusswassers danach. Ist der Run-off-EC um mehr als 0.5 mS/cm höher, beginne mit leichten Spülgießungen (nur Wasser, kein Dünger) bei den nächsten ein bis zwei Giessungen. Ist der Run-off-EC deutlich NIEDRIGER als der Eingabewert, hat das Substrat Nährstoffe zurückgehalten oder ist bereits so ausgelaugt, dass es die Konzentration verdünnt – ein Zeichen, dass bald mehr Dünger benötigt wird.

Beachte, dass vorgedüngte Erden wie High-Quality-Mischungen in den ersten zwei bis vier Wochen bereits genügend Nährstoffe enthalten und einen Run-off-EC von 2.0 bis 3.0 mS/cm aufweisen können – das ist normal und kein Grund zur Panik. Du solltest in dieser Phase auf zusätzliche Düngung verzichten und erst dann beginnen zu düngen, wenn der Run-off-EC unter 1.0 bis 1.2 mS/cm gefallen ist. So vermeidest du effektiv eine Cannabis Überdüngung, die besonders Jungpflanzen gefährlich werden kann.

  • Run-off EC = EC des abfliessenden Wassers nach dem Giessen
  • Run-off EC um mehr als 0.5 höher als Eingabe: Salzansammlung, spülen
  • Run-off EC niedriger als Eingabe: Substrat braucht mehr Nährstoffe
  • Frische vorgedüngte Erde: Run-off EC 2.0-3.0 ist normal
  • Erst bei Run-off EC unter 1.0-1.2 beginnen zu düngen

Gieß-Strategie organisch vs. mineralisch: Mit oder ohne Drainage-Abfluss?

Ob du mit oder ohne Drainage-Abfluss giessen solltest, hängt entscheidend davon ab, ob du organisch oder mineralisch düngst — und genau hier machen viele Grower einen folgenreichen Fehler. Die beiden Strategien sind nicht austauschbar.

Bei organischer Düngung solltest du NICHT übersättigen und bewusst OHNE Drainage-Abfluss giessen. Ziel ist ein gleichmäßiges Feuchtelevel im Substrat, damit sich die Mikroorganismen und das Bodenleben wohlfühlen können — sie brauchen konstante Feuchtigkeit, keine Wechsel zwischen Durchnässung und Austrocknung. Mehr zur organischen Gieß-Logik findest du in unserem Artikel zu Cannabis Living Soil Substrat.

Bei mineralischer Düngung gilt das genaue Gegenteil: Hier solltest du IMMER MIT Drainage-Abfluss giessen. Ohne Abfluss akkumulieren die mineralischen Salze im Substrat und schädigen mit der Zeit die Wurzeln — genau der EC-Anstieg im Run-off, den du weiter oben in diesem Artikel kontrollieren kannst. Der Run-off-Abfluss ist bei mineralischer Düngung also kein Nebeneffekt, sondern eine notwendige Schutzmaßnahme gegen Salzanreicherung.

  • Organisch: OHNE Drainage-Abfluss giessen, gleichmäßige Feuchte für das Bodenleben
  • Organisch: Übersättigung vermeiden, Mikroorganismen brauchen stabile Bedingungen
  • Mineralisch: IMMER MIT Drainage-Abfluss giessen, sonst akkumulieren Salze
  • Mineralisch: Run-off-EC regelmäßig kontrollieren, um Salzanreicherung zu erkennen

Häufige Fehler beim EC-Messen und wie du sie vermeidest

Der häufigste Fehler ist das Vernachlässigen der Kalibrierung. Ein unkalibriertes EC-Meter kann um 10 bis 30 Prozent vom tatsächlichen Wert abweichen – du meinst, du führst EC 1.8, tatsächlich sind es 2.3. Das Ergebnis sind verbrannte Blattspitzen und gestresste Pflanzen, obwohl du glaubst, alles richtig gemacht zu haben. Kalibriere dein Gerät regelmäßig und bewahre die Kalibrierungslösung dunkel und kühl auf.

Ein weiterer typischer Fehler ist das Ignorieren des Basis-EC des Leitungswassers. In vielen deutschen Stadtgebieten hat Leitungswasser bereits einen EC-Wert zwischen 0.2 und 0.6 mS/cm, bedingt durch Kalzium, Magnesium und andere Mineralstoffe. Wenn du diesen Ausgangswert nicht berücksichtigst und einfach deinen Dünger bis EC 2.0 anmischst, ist die tatsächliche Nährstoffkonzentration aus dem Dünger möglicherweise nur 1.4 bis 1.8 mS/cm – oder wenn du es falsch herum berechnest, überdüngst du deine Pflanzen. Miss deshalb immer erst das reine Wasser vor dem Anmischen.

Dritter häufiger Fehler: Das Messen bei falscher Temperatur ohne Temperaturkompensation. Bei 15 Grad Celsius ist der gemessene EC-Wert einer Lösung deutlich niedriger als bei 25 Grad – obwohl sich die tatsächliche Konzentration nicht verändert hat. Wenn dein Gerät keine automatische Temperaturkompensation (ATC) hat, bringe die Lösung vor dem Messen auf Zimmertemperatur (ca. 20-25 Grad) oder multipliziere den Messwert mit dem Korrekturfaktor deines Geräts. Viele günstige Geräte haben ATC bereits eingebaut – das sollte bei der Kaufentscheidung ein wichtiges Kriterium sein.

  • Fehler 1: Kalibrierung vergessen – Gerät regelmäßig mit Kalibrierungslösung eichen
  • Fehler 2: Basis-EC des Leitungswassers nicht berücksichtigen – immer Ausgangswert messen
  • Fehler 3: Messung bei falscher Temperatur – auf ATC achten oder Lösung auf 20-25 Grad bringen
  • Fehler 4: Run-off EC niemals messen – wichtige Diagnoseinformation verpassen
  • Fehler 5: EC-Wert ohne gleichzeitige pH-Kontrolle beurteilen

Häufig gestellte Fragen

Welchen EC-Wert sollte Cannabis in der Vegetationsphase haben?

In der Vegetationsphase empfehlen sich EC-Werte zwischen 1.2 und 2.0 mS/cm. Jungpflanzen beginnen am unteren Ende (ab ca. 1.0 mS/cm), während ältere, gut entwickelte Pflanzen in der späten Veg-Phase auch 2.0 mS/cm vertragen. Passe den Wert immer an die Reaktion deiner Pflanzen an.

Was ist der Unterschied zwischen EC-Wert und PPM?

PPM (parts per million) ist eine alternative Einheit für die Konzentration gelöster Stoffe. Der Umrechnungsfaktor von mS/cm zu PPM beträgt entweder 500 (Hanna-Faktor) oder 700 (europäischer Standard). EC 1.0 mS/cm entspricht also 500 PPM (Hanna) oder 700 PPM (Europa). Im europäischen Raum ist mS/cm die gängigere Einheit.

Wie oft sollte ich den EC-Wert messen?

Im Hydroponik-Anbau solltest du bei jeder Giessung messen, mindestens aber alle zwei bis drei Tage. Im Erdenanbau reicht es, den Run-off-EC bei jeder Giessung zu kontrollieren. In kritischen Phasen wie der Blüte oder bei sichtbaren Stresssymptomen empfiehlt sich eine täglich Messung.

Was tun, wenn der EC-Wert im Run-off viel höher ist als der Eingabewert?

Ein deutlich höherer Run-off-EC zeigt Salzansammlungen im Substrat an. Spüle das Substrat mit der zweifachen bis dreifachen Topfmenge an pH-angepasstem Wasser durch, bis der Run-off-EC auf ein akzeptables Niveau fällt. Beginne danach mit einer frischen, niedriger dosierten Nährlösung und kontrolliere den Run-off regelmäßig.

Kann ich den EC-Wert auch im Erdenanbau messen?

Ja, das ist sinnvoll und empfehlenswert. Im Erdenanbau misst du am besten den Run-off-EC des abfliessenden Wassers. So erkennst du Salzansammlungen im Substrat frühzeitig, bevor sie Schäden anrichten. Besonders in der Mitte und am Ende des Grows ist diese Kontrolle wichtig.

Warum zeigt mein EC-Meter unterschiedliche Werte bei kaltem und warmem Wasser?

Die elektrische Leitfähigkeit einer Lösung steigt mit der Temperatur. Bei 15 Grad Celsius ist der gemessene EC niedriger als bei 25 Grad, obwohl sich die tatsächliche Konzentration nicht geändert hat. Qualitative EC-Meter haben eine automatische Temperaturkompensation (ATC), die den Wert auf 25 Grad Celsius normiert. Ohne ATC solltest du immer bei gleicher Temperatur messen.

Fazit

Den EC-Wert Cannabis regelmäßig zu messen und korrekt einzustellen ist keine optionale Zusatzarbeit, sondern ein fundamentales Werkzeug für gesundes Pflanzenwachstum und maximalen Ertrag. Mit einem kalibrierten EC-Meter, dem Wissen über phasengerechte Richtwerte und der konsequenten Kontrolle des Run-off-EC hast du stets die Kontrolle über den Nährungsstatus deiner Pflanzen. Denke immer daran, EC und pH gemeinsam zu betrachten – nur im Zusammenspiel dieser beiden Parameter können deine Pflanzen das volle Potenzial ihrer Genetik entfalten. Wer diese Grundlagen beherrscht, legt den Grundstein für gesunde, ertragreiche Züchten nach dem CanG 2024.

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